Buchrezensionen

Schuldig - die Schattenseiten des Hofes Sólfari

Ein Roman mit und über eine angehende Pferdewirtin, die auf einem Islandpferdehof in Deutschland die Ausbildung beginnt. Das Buch fängt an wie ein lieblicher Roman wohl anfangen soll.

 

Es ist eine heile und idyllische Welt auf dem grosszügigen, herrschaftlichen Islandpferdhof. Alle sind sie herzliche Menschen, verfügen über ein mitreissendes Lachen und tragen sowieso die Sonne im Gesicht. Sie alle reiten ausgesprochen gut, sind richtige Pferdemenschen, kümmern sich liebevoll um die Fohlen, Jungpferde, Nachwuchshengste, Zuchtpferde und natürlich um die Verkaufspferde. Ihre tägliche Routine ist so durchorganisiert, dass 87 Islandpferde mit drei bis vier Personen komplett versorgt werden können und trotzdem noch endlos Zeit für das Training der Fohlen, Jung- und Reitpferde übrig bleibt. Praktisch alle Pferde auf Sólfari sind absolut leichtrittig und verfügen stets über taktklare und grandiose Gänge. Sie sind allesamt durchgymnastiziert und butterweich. Endloses Tölten auf dem Stammzuchthengst ist dann auch für einen Gangpferdeanfänger überhaupt kein Problem. Wenigstens die Königsdisziplin Rennpass bereitet etwas mehr Mühe, aber auch nur ein kleines bisschen mehr. Denn mit dem richtigen Tipp vermag auch ein Anfänger in kürzester Zeit den schwierigeren Hengst in fliegenden Rennpass zu legen oder die überhitzte, zappelige Stute ruhig und in schöner Anlehnung zu reiten.

 

Die Geschichte kratzt nach dem etwas ermüdenden Einstieg aber dann doch noch die Kurve. Das Familiendrama beginnt und die Auszubildende Nora ist mittendrin. So idyllisch wie das Buch anfängt, so hart wird die nun folgende Dramatik. Die ganze Geschichte nimmt so irre Züge an, dass man das Buch dann für einige Zeit nicht mehr weglegen kann. Fast schon ungläubig kopfschüttelnd liest sich der grosse Mittelteil des Buches, um dann leider gegen Ende wieder ins alte Schema „Friede-Freude-Eierkuchen“ zu verfallen. Es ist in erster Linie eine klassische Liebesgeschichte, die abgesehen vom Drama in der Mitte vermutlich den Traum vieler Islandpferdereiterinnen in Buchform quetscht.  Nicht viel Nachdenken, einfach in eine andere „Traumwelt“ einsinken lassen und sich nicht von der Realitätsferne stören lassen…denn dann bereitet das Buch wirklich Lesevergnügen.


Autorin: Heidi König

Verlag: Hohe, Irene; Auflage: 1 (24. Februar 2013)
Taschenbuch: 430 Seiten
ISBN-10: 3944464095
ISBN-13: 978-3944464091

 


Die Skala der Ausbildung von Britta Schöffmann

 „Wer sein Pferd lange gesund halten möchte, kommt um die Ska­la der Ausbildung nicht herum. Sie gibt den Rahmen für das Pferd vor, den der Reiter durch entsprechende Lektionen ent­wickeln muss.“ (Eckart Meyners in Dressur-Studien, Heft 3/10 September 2010 bis Dezember 2010)

 

Britta Schöffmann erklärt in ihrem überschaubaren Ratgeber, woher die Skala der Ausbildung kommt, was sie bedeutet und warum sie so wichtig für jedes einzelne Pferd, unabhängig von Rasse oder Disziplin, ist. Denn beim Reiten geht es nicht um sportlichen Ruhm oder reines Freizeitvergnügen, sondern in erster Linie um Verantwortung. Frau Schöffmann findet dazu deutliche Worte; „Wer das nicht einsieht, sollte besser Tennis spielen“.

Das Buch gibt einen interessanten Einblick in die Thematik, zum Beispiel auch über die Einflüsse von Interieur und Exterieur des Pferdes auf den Ausbildungsweg. Die einzelnen Elemente der Skala werden logisch erklärt und deren Abhängigkeiten zueinander aufgezeigt. Was das Buch aber so wertvoll macht, sind die vielen Alltagstipps. Was tun wenn der Takt nicht stimmt, was können die Ursachen sein und mit welchen Trainingselementen und Übungen kann der Reiter dem Taktproblem entgegenwirken. Zudem werden immer wieder Tipps zur Überprüfung der Ausbildungsschritte gegeben. Wie kann der Reiter beispielsweise die ehrliche Losgelassenheit überprüfen. Die vielen Fotos zeigen mit positiven und negativen Beispielen sehr schön auf, was richtig und was falsch ist und warum.

 

Ein handliches Buch zum immer wieder reinblättern. Ein nützlicher Ratgeber aus der Praxis für den Alltag. Ein Muss im Bücherregal.

 

Autorin: Dr. Britta Schöffmann

ISBN: 344010785X

Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos)


Ein Islandpferd kommt selten allein

Töltende Turbulenzen – Erlebnisse mit Hördur und Nonni

Roland Lange ist der typische nichtsahnende Familienvater; Diplomingenieur, Ehemann und Vater mit eigenen Hobbies. Dass seine Tochter reitet und seine Frau erfolgreich ihre Pferdeallergie behandelt hat, beunruhigt ihn erst, als es schon zu spät ist. Der Pferdevirus hat den weiblichen Teil der Familie bereits befallen und die darauf folgende Krankheit ist hoch ansteckend und nicht heilbar.

 

Mit diesem Buch lässt uns Roland Lange teilhaben an seinen überaus witzig, zynisch und erfrischend erzählten Geschichten im Leben eines GIL’s (GIL = gemeiner Isi-Liebhaber). Die Episoden von der Suche nach dem ersten eigenen Isländer (u.a. auf dem Hof der Familie Kostviel-Machtnix) über diverse Stallbauprojekte in Eigenregie bis hin zu Alltagsgeschichten und –Erkenntnissen führen beim Lesen zum Dauergrinsen. Denn man findet sich (und vor allem den eigenen Familienvater) stets selbst in den ironischen Situationsbeschreibungen. Eine kleine Leseprobe beweist, wie hoch der zu erwartende Lesespass wird:

 

„Eine weitere Sammelvariante, die die Apfelernte speziell im Winterhalbjahr nie zur Routine werden lässt, ist die nach ausgiebigen Schneefällen. Da werden die Äpfel zu Lawinenopfern, die zunächst geortet, dann freigelegt und danach geborgen werden müssen“. (Anmerkung der Redaktion: es handelt sich hierbei um Pferdemist)

 

„[…] „Frohe Weihnachten“, murmelte ich und schob ihm wie auch mir eine Möhre ins Maul. Wie ich noch so kaute und in den sternenklaren Himmel blickte, hörte ich plötzlich eine Stimme neben mir: „He Paule…haste nich n‘ Freund für mich?“ Ich fuhr heftig zusammen, drehte mich erschrocken nach allen Seiten um. Aber da war niemand. Nur Hördur stand dort und schaute mich mit traurigen Augen an.“

 

Es ist mehr als nur eine Empfehlung wert, sich dieses Buch an einem kalten Winterabend zu Gemüte zu führen…und da Weihnachten naht…

 

Autor: Roland Lang

ISBN: 978-3-440-13379-8

Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos)


Mr. P & me

Eine überaus witzig geschriebene Kurzgeschichte darüber, wie ein Pferd seine Besitzerin erzieht. Das Büchlein beginnt noch vor dem Inhaltsverzeichnis mit einer lustigen Bemerkung über Risiken und Nebenwirkungen beim Lesen dieser aus dem Leben gegriffenen Geschichte. Dicht gefolgt von einem Verzeichnis mit Abkürzungen wie VEPP, die Kurzform für ein verzogenes Einzel-Prinzen-Pony. Obwohl hierbei das Pony nicht über sein Stockmass definiert wird. Den besten Einblick liefert gleich eine Passage aus dem Buch. Hier eine kleine Leseprobe:

 

„[…] Da ja nun besonders Ausritte das Pferd motivieren sollen, schnappte ich mir das verzogene Einzel-Prinzen-Pony (VEPP) und beschloss, ihm die neue Gegend zu zeigen.

Die Ausreitmöglichkeiten sind wirklich wunderbar, direkt am Stallgelände beginnt der Wald mit einem recht steilen Berg. Tapfer im Schritt erklommen, kühlt dieser bei eher stürmischen Pferden das Mütchen. Bedauerlicherweise gehört Mr. P nicht zu dieser Art von Pferden. Vor dem Berg bremste er und rammte alle Viere in den Boden. Ungläubig starrte er gen Berggipfel. Ganz offensichtlich stand diese Art des Hinterhandmuskulatur-Trainings nicht in seinem Terminkalender. „Los, los, munter voran Mr. P., Ausritte motivieren!“, rief ich ihm fröhlich zu. Huf für Huf arbeitete er sich – wenig motiviert – den Berg hinauf. Nach 20 Metern bremste er und pinkelte. Weitere 40 Meter später stoppte er und es folgte ein ausgiebiges Äppeln. Ein unseren Weg kreuzendes Reh führte zu einem weiteren Halt, der in etwa so lange anhielt, wie das Reh brauchte, um ins nächste Revier zu kommen.

 

„Orgu, es reicht! Nun setz endlich dein Hinterteil in Bewegung“, schimpfte ich fügte dem noch einige nicht zitierfähige Flüche hinzu. Und Orgu tat wie ihm geheissen. Na ja, er ging zwar schleppenden Schrittes voran, aber nicht ohne jeden Huftritt mit lautem Ächzen und Stöhnen zu begleiten. Dabei liess er den Kopf fast bis auf den Boden hängen. Bis er die ersten Spaziergänger sah. Zielsicher stapfte er in ihre Richtung, sämtliche Hilfen von mir ignorierend. Dafür verstärkte er sein Schnaufen und Keuchen. Stellte sich quer und versperrte dem älteren Ehepaar den Weg. Noch bevor ich eine Entschuldigung murmeln konnte, tätschelte sie Mr. P. „das arme Pferd“, sagte die Frau, „er sieht so erschöpft aus“. „Er ist nicht erschöpft, wir sind erst fünf Minuten unterwegs“ knurrte ich. […]“. Eine wirklich empfehlenswerte Kurzgeschichte mit Unterhaltungswert.

 

Autorin: Claudia Sanders

Verlag : Dressur-Studien Verlag, 1. Auflage 2008, Königswinter

ISBN: 978-3-9812212-1-3