Knabbern bis der Tierarzt kommt

Kurz nach den Weihnachtstagen sind nicht verkaufte Bäumchen für kleines Geld zu haben und der eine oder andere Pferdebesitzer gönnt seinem Pferd den gut gemeinten Knabberspass. Ganz unbedenklich ist die Verfütterung von weihnachtlichem Gehölz aber nicht, warnen Experten.

Dass grundsätzlich nur Bäumchen und Äste verfüttert werden dürfen, die ungedüngt (!), ungespritzt, ungewachst und frei von jeglichen Fremdkörpern wie Lametta oder Kerzenwachs sind, ist hoffentlich klar. Allerdings ist die Angabe "Bio" bei Weihnachtsbäumen oft im weiteren Sinne zu verstehen. Hier ist Vorsicht besser als Nachsicht. 

 

Unverträgliche Substanzen 

Nicht bedacht wird bei der Fütterung von Bäumchen der Familie der Kieferngewächse aber oft, dass sie auch Substanzen enthalten, die zu deutlichen Gesundheitsbeeinträchtigung der Pferde führen können. Die genaue Menge, die ausreicht ein Pferd lebensgefährlich zu vergiften, ist bei den Kieferngewächsen nicht beschrieben. Da es sich aber um schwachgiftige Bäume handelt, ist die tödliche Dosis extrem hoch und nur unter Extrembedingungen überhaupt erreichbar. Wird einem Pferd über einen längeren Zeitraum nur Kieferngewächs zum Fressen angeboten, wäre die Aufnahme einer tödliche Dosis denkbar, so der Tierarzt Dr. Kai Kreling von der Tierklinik Binger Wald. Der Tierarzt geht sogar soweit, dass er grundsätzlich davon abrät, Weihnachtsbäume an Pferde zu verfüttern. [1]

 

Auch Thomas Kranz von Natural Horse Care gibt zu bedenken, dass Tannen und Fichten nicht zum Speiseplan der Pferde zählen: "Tannen bzw. Nadelhölzer haben zum Schutz gegen Fressfeinde einiges anzubieten (Harze und ätherische Öle). In diesen Harzen bzw. Ölen befinden sich sogenannte Phytamine. Diese Phytamine in Pflanzen (z.B.Flavonoide, Anthocyane, Polyphenole aber auch ungesättigte Fettsäuren) werden als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet und in der traditionellen Heilkunde als wirksame Helfer angewendet. Rund 75 % der in den Pflanzen enthaltenen Alkaloide sind toxisch und stark nieren- und leberschädigend. Unsere Tannenbäume (überwiegend Nord- und Blautannen gehören zu den Kiefergehölzen) sind reichlich mit Terpentin versehen.  Alle seriösen Heilkundebücher raten von einer innerlichen Anwendung sogenannter Terpentinöle ohne ärztliche Aufsicht dringend ab." [2]

 

Fichten in Massen unbedenklich

Der Ernährungsexperte Ingolf Bender fast allerdings zusammen, dass der ausrangierte Weihnachtsbaum - sofern es sich um unbehandeltes Fichtengehölz handelt - in Massen ein willkommenes Knabberzeug darstellt. Aber nur unter der Voraussetzung, dass das Gehölz ausschliesslich zum knabbern gereicht und nicht an hungrige Pferde verfüttert wird. Denn wie so oft macht die Menge das Gift.

 

Abzuraten ist die Verfütterung von jeglichem Nadelgehölz an tragende Stuten. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass tragende Stuten nach Verzehr von Nadelholz, und das betrifft alle Arten, Probleme bekommen können. Das kann unter ungünstigen Umständen sogar bis zum Abort führen. Eine Dosisangabe ist allerdings schwierig bis unmöglich. Aus diesem Grund rät Bender davon ab, tragenden Stuten solches Knabbergehölz (also nicht nur Nordmanntannen) anzubieten. [3]

 

 

Quellen:

[1] Tierklinik Binger Wald

[2] Natural Horse Care

[3] Töltknoten