Der richtigen Haken

Wer kennt es nicht, der Strick reisst oder der Haken gibt einfach im Gelenk nach. Und schwups ist das Pferd auf freiem Fusse. Das kann ganz schön ins Auge gehen. Bei manchen günstigen Stricken geschieht dies erschreckend schnell. Über Do's und Dont's bei Haken und Stricken rund ums Pferd.

Eigentlich ja schon etwas unverschämt, dass im Handel Anbindesysteme für Pferde angeboten werden dürfen, die sich im Alltag als nicht praxistauglich bzw. sogar als gefährlich heraus stellen. Ob der Strick nun extrem günstig angeboten wird oder nicht, darf auf die Sicherheitsbestimmungen des Produktes eigentlich keinen Einfluss haben. Immerhin soll damit ein Pferd gesichert werden können, um das Tier selbst und andere nicht in Gefahr zu bringen.

 

Legt sich ein Pferd mit voller Wucht in den Strick und reisst dieser plötzlich oder die Verbindung wird anderweitig abrupt unterbrochen, kann das Pferd nach hinten stürzen und sich dabei Sprunggelenke und Beckenknochen brechen. Auf der anderen Seite kann ein extrem stabiler Strick und/oder Haken in einer Paniksituation aber auch zum Problem werden. Auch das normalerweise entspannt angebundene Pferd kann sich erschrecken und sprunghaft zurück weichen. Der plötzliche Druck im Genick erzeugt noch mehr Gegendruck, die Panik steigt ins Unermessliche und kann die Situation zur Eskalation bringen. Im Genick des Pferdes kann so eine Entzündung der Schleimbeutel entstehen, die sogar chronisch werden kann. Problematisch sind also beide Szenarien. 

 

Die Krux mit dem Panikhaken

Wir haben alle gelernt, dass der Führstrick lang genug und mit einem nicht zu kleinen Karabiner und der Anbindestrick eher kurz und mit einem Panikhaken ausgestattet sein soll, vor allem im Pferdeanhänger. Beim Führen soll sich der Haken nicht ungewollt lösen und beim Anbinden soll er sich in einer Notsituation schnell öffnen lassen. In der Theorie klingt das noch ziemlich gut. Doch wer schon mal versucht hat, einen in vollem Zug stehenden Panikhaken zu lösen, wird eines besseren belehert. Neue oder schlecht verarbeitete Panikhaken lassen sich unter starkem Zug kaum lösen. Dasselbe gilt für den Sicherheitsknoten, mit dem der Strick am anderen Ende befestigt wird. Auch dieser kann sich bei extremem Zug unlösbar zuziehen. Dazu kommt die Gefahr eines Sturzes des Pferdes nach hinten, wenn der starke Zug plötzlich unterbrochen wird.

 

Pferde im angebundenen Zustand sollten grundsätzlich nicht um jeden Preis am Platz gehalten werden. Gerät ein Pferd in Panik, soll sich das Anbindesystem lösen, aber nicht ruckartig und nicht erst bei extremem Zug. Wird ein Pferd in einer potenziell gefährlich Umgebung (z.B. Zugang zu befahrenenen Strassen) angebunden, sollte es generell nicht aus den Augen gelassen werden, um bei Bedarf schnell genug reagieren zu können.

 

Innovative Anbindesysteme 

Die beschriebenen Szenarien sind ausgesprochen unschön und können jeden treffen. Innovative Hersteller haben moderne Anbindesysteme für Pferde entwickelt, die den Spagat zwischen "sicher angebunden" und "bei Bedarf lösbar" wagen.  Ein cleveres Anbindesystem ist zum Beispiel der Safe Clip von Smart Tie Products. Er wurde in den USA entwickelt und gewann vor einigen Jahren auf der Spoga-Messe den Innovationspreis. Der Safe Clip verhindert ein panisches, ruckartiges Ziehen des Pferdes, da er bei entsprechendem Zug kontinuierlich nachgibt. Das Pferd gewinnt dadurch Zeit, sich zu beruhigen, bleibt dabei aber sicher angebunden. Der Betreuer gewinnt Zeit, sich um die potentiell gefährliche Situation zu kümmern. Der Widerstand am Clip kann je nach Situation und Pferd eingestellt werden, um den für's Nachgeben benötigten Zug zu steuern.  

 

Der Safe Clip ist für EUR 29.90 plus Versand in die Schweiz für EUR 8.90 zu haben. 

Auf der Beta International Messe 2011 in Birmingham gewann der "Equi-Ping" den Innovationspreis. Das Besondere ist der Verschluss, der wie ein Widerhaken aussieht. Der Mechanismus öffnet sich, wenn das Pferd panisch nach hinten zieht. Der Equi-Ping wird zwischen den Anbindering und den Strick eingehängt. Er öffnet sich schnell, wenn der Reiter kräftig am Strick zieht.  Eine ruckartige Kopfbwegegung des Pferdes lässt den Plastikring aber noch nicht aufschnappen. 

 

Der Equi-Ping wird in der Schweiz von den gängigen Pferdesportgeschäften um die CHF 10.00 angeboten. 

 

Die Beschaffenheit des Führseils

Im Magazin "Tierwelt" war einmal zu lesen, dass über Sättel und Gebisse Doktorarbeiten geschrieben werden, während eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände - die Anbinde- und Führstricke - auf deren farbliche Abstimmung zum Halfter reduziert würden. Das haben wohl auch die Produzenten und Vertriebskanäle bemerkt, bedenkt man die unzähligen farblichen Abstufungen von Führstricken bei oft mangelnder Qualität. Man darf sich schon fragen, ob der buntgestreifte Strick für CHF 6.90 den Qualitätsansprüchen, ein mehrere hundert Kilo schweres Fluchttier sicher zu verwahren, genügt. 

 

 

Die meinsten bunten Stricke sind aus Nylon gefertigt. Bedenken sollte man, dass ein durch die Hand Ziehen für schmerzhafte Verbrennungen sorgt. Bei Nylonstricken sind Handschuhe also ratsam. Baumwollstricke sind meist dicker und griffiger, werden bei Regen/Schnee aber nass und schwer. Sie trocknen nur langsam ab. Viele Führseile sind bezüglich Länge und Material ideal für die Führarbeit beschaffen, eignen sich aber nicht oder nur bedingt zum Anbinden. Sie sind oft viel zu lang oder lassen sich nur schwer mit dem Sicherheitsknoten am Anbindering befestigen. Manche nicht so hochwertige runde Führseile sind zudem relativ rutschig und für ein sicheres Anbinden nicht geeignet.

 

Bei sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen wie Strick und Haken sind wir gut beraten, deren optische Wirkung zu Gunsten der Sicherheit in den Hintergrund treten zu lassen.