Stangenarbeit mit und für Islandpferde

Diverse Bücher und Online-Portale geben haufenweise Tipps zu verschiedenen Möglichkeiten des Stangentrainings. Diese Art von Training fördert Kraft, Koordination, Balance und hilft den Takt zu finden. Der Longenführer oder Reiter muss für einen beachtlichen Trainingseffekt verhältnismässig wenig beitragen. Auch Islandpferde profitieren massgebend von diesem Training.

Essentiell wichtig für gutes Gelingen bei der Stangenarbeit sind die richtigen Abstände von Taktstangen oder Cavaletti. In der Islandpferde-Reitlehre wird für Schritt ein Abstand von 70 bis 80 cm und für Trab 1.10 bis 1.20 Metern als günstig angegeben. Auf dem Zirkel werden die Abstände in der Mitte der Stange gemessen. Diese Abstände sind als Basis ideal. Selbstverständlich muss dann der Abstand bei jedem Pferd individuell eingestellt werden. Auch Islandpferde verfügen über unterschiedliche Trittlängen.

 

Schrittarbeit

Die Arbeit mit Taktstangen hilft dem Pferd, den gewünschten Viertakt im Schritt zu finden und zu festigen. Ein guter Schritt ist Gratistraining für den Tölt und alle anderen Gangarten, nicht nur beim Islandpferd. Bei Pferden mit sehr kurzen Tritten kann die Übung "Tritte verlängern" eine gute Unterstützung sein. Später können die Abstände und Höhen nach und nach unterschiedlich ausgelegt werden, so dass Koordination und Geschmeidigkeit gefördert werden. Die extreme Variante ist bekannt unter der Bezeichnung "Stangenmikado", wobei die Stangen wahllos kreuz und quer gelegt werden. Dies ist aber bitte nur im Schritt zu empfehlen, die Verletzungsgefahr im Trab ist zu hoch.

 

Trabarbeit

Die Trabarbeit über Stangen hat schon so manchen nicht trabenden Naturtölter zum Traber werden lassen. Wie im Schritt hilft dieses Training der Balance und Taktfindung. Zudem wird die Oberlinie gedehnt und Kraft aufgebaut, vor allem die Bauchmuskulatur und die Hinterhand. Man beginnt mit ungeübten Pferde stets mit einer Stange, wobei z.B. auf dem Zirkel auf der gegenüberliegenden Seite eine zweite Stange positioniert werden kann. Klappt dies, wird eine zweite Stange dazu gelegt usw. Bereits zwei Stangen haben im zweitaktigen Trab einen tollen Trainingseffekt. Vier Taktstangen am Stück reichen als Ziel völlig aus.

 

Sind vier Taktstangen kein Problem, können die Stangen leicht enger gelegt werden, um die Tritte zu verkürzen und damit die Tragkraft und den Kraftaufbau für die Versammlung zu fördern. Die ersten beiden Stangen werden dabei im normalen Abstand gelegt, die folgenden beiden Stangen werden mit kleiner werdendem Abstand positioniert (bis 10 cm Unterschied vom ersten zum letzten Abstand). Das ist eine sehr gute Übung für die Verbesserung vom Tölt, da hierbei die für einen gesunden Tölt notwendige Kraft aufgebaut wird.

 

Die Abstände der Trabstangen zu vergrössern fördert die Schubkraft, da das Pferd nun die Tritte verlängern muss. Gerade fünfgängige Islandpferde verfügen oft über sehr viel Schub- aber weniger Tragkraft, daher sollte das Tritte verlängern eine wohlüberlegte Übung sein.

 

Auch kann im Trab mit leicht unterschiedlichen Höhen gearbeitet werden, was aber erst bei fortgeschrittenen Stangentrabern in Frage kommt. Zu Beginn kann einfach die Aussenseite jeder zweiten Stange etwas höher gestellt werden (z.B. mit Stangenstoppern aus dem Fachhandel). Die erste Stange soll dabei immer auch die tiefste sein.

 

Grundsätze beim Stangentraining

Grundsätzlich ist beim Stangentraining eine behutsame Vorgehensweise anzuraten. Die Anforderungen dürfen nur langsam gesteigert werden. Die einfachere Lektion sitzt, wenn das Pferd entspannt über die Stangen schreitet oder trabt und seinen Takt gefunden hat. Das Ziel im Trab über die Stangen ist eine lange Rückenlinie mit selbsttragender Kopf-Hals-Haltung, untertretender Hinterhand, arbeitender Bauchmuskulatur, locker schwingendem Rücken und rhythmischen Tritten mit angemessener Kadenz. Klingt nach einer wahnsinnigen Herausforderung, mit der Stangenarbeit aber relativ leicht zu erreichen. Der Weg dahin kann je nach Pferd etwas Geduld erfordern. Ab es lohnt sich, denn richtig angewendet ist die Stangenarbeit ein ungemein effektives Training.

 

Ein weiterer Grundsatz ist die angemessene Intensität und Regelmässigkeit. Stangentraining ist für das Pferd anspruchsvoll und anstrengend. Das Training sollte mindestens wöchentlich, besser zwei bis drei mal wöchentlich für 10 bis 20 Minuten durchgeführt werden, je nach Schwierigkeitsgrad und Trainingszustand. Einmal im Monat ist für einen sinnvollen Trainingseffekt definitiv zu wenig.

 

Häufiges Problem

Oft sind bei der Stangenarbeit auf dem Zirkel Pferde zu sehen, die wohl ohne anzuschlagen über die Stangen traben, dabei aber auf die innere Schulter fallen (von vorne betrachtet sind sie in Schräglage) und sich im Rücken versteifen. Der Rücken schwingt dann nicht mehr locker mit. Das Tempo ist dabei in der Regel zu hoch. So bleibt der Trainingseffekt leider aus. Wenn das Pferd so über Stangen trabt, empfiehlt es sich, erst an der inneren Schulter zu arbeiten und später wieder mit einer Stange langsam zu beginnen.

 

Übungsbeispiele für Fortgeschrittene

Wenn die Basisübungen im Schritt und später im Trab über vier Taktstangen auf der Geraden und auf dem Zirkel einwandfrei gelingen, gibt es unzählige weitere Übungsvariationen mit unterschiedlichem Effekt und Ziel.

 

4-Takt im Schritt: Vier Taktstangen oder Cavaletti auf niedrigster Stufe auf dem Zirkel, über die Stangen im Schritt, jeweils direkt nach den Stangen antraben und kurz vor den Stangen wieder in den Schritt zurück nehmen.

 

Kraft und Durchlässigkeit: Vier Taktstangen auf dem Zirkel, über die Stangen im Trab, jeweils direkt nach den Stangen angaloppieren und kurz vor den Stangen wieder in den Trab zurück parieren. Die wiederholten Übergange von Trab zu Galopp und umgekehrt, sowie der Trab über die Stangen kräftigen ungemein und fördern die Durchlässigkeit. Die Übung ist sehr anstrengend. Auch hier gilt, lieber nur wenige Durchgänge dafür regelmässig.

 

Verbesserung Schulterherein: Pferde die sich im Schulterherein verhalten oder klemmig werden, können mit vier Taktstangen wieder auf Kurs gebracht werden. Auf der langen Seite einige Tritte im Schulterherein, geradeaus über die Stangen, weiter im Schulterherein.