Pferde richtig abspritzen

Jetzt in der heissen Zeit des Jahres sieht man überall Reiter, die ihren Pferden eine Abkühlung mit dem Schlauch gönnen. Grundsätzlich eine tolle Sache. Aber allzu häufig wird dabei bei den Vorderbeinen beginnend, direkt der Brust- und Bauchbereich mit kaltem Wasser abgespritzt - nicht die beste Idee.

Wenn wir uns in kühle Gewässer begeben oder kalt duschen, beginnen wir stets mit den Füssen und arbeiten uns langsam herzwärts. Jeder kennt das Gefühl bei einem Kopfsprung ins kalte Wasser bei aufgeheiztem Körper - es verschlägt einem den Atem. Das Herz-Kreislaufsystem steht kurzfristig unter Schock.

 

Eine Belastung für Herz-Kreislaufsystems
Nun befindet sich das Zentrum des Herz-Kreislaufsystems beim Pferd - sprich das Herz - im Brustkorb zwischen den Vorderbeinen. Die übliche Abspritztechnik beginnt also genau im Herzbereich. Durch den Temperaturschock steigt der Blutdruck stark an, zugleich ziehen sich die Gefässe zusammen und ein gewaltiger Druck lastet auf dem Kreislauf. Eine Abkühlung dieser Art stellt also weder eine Entlastung des Kreislaufsystems dar, noch ist sie als Wohltat für das Pferd zu bezeichnen. Daher bitte stets langsam von hinten nach vorne abspritzen, idealerweise hinten rechts beginnend. Noch schonender ist das Abwaschen des Rumpfes mit nicht ganz so kaltem Wasser. Vor dem Reiten einen Behälter mit Wasser füllen und derweil stehen lassen reicht schon vollkommen aus.

 

Gut für die Thermoregulation
Das Abspritzen bzw. Abwaschen von grossflächigem Schweiss ist eine sinnvolle Sache. Die Thermoregulation von Pferden funktioniert über das Aufstellen und Ablegen der Haare. Sind diese vom Schweiss verklebt, funktioniert die Thermoregulierung nur eingeschränkt. Im Übrigen wälzen sich  verschwitzte oder anderweitig nasse Pferde. Ein verschwitztes Pferd in die Box zu stellen, ist also nicht nur ganz schön fies, sondern kann bei hochsommerlichen Temperaturen sogar gefährlich für das Tier werden.


Beine spritzen hat keine kühlende Wirkung 

Die Beine kurz abzuspritzen hat indes keine kühlende Wirkung für den Pferdekörper. Die Beindusche wirkt nicht wie eine Klimaanlage auf den gesamten Pferdekörper, so Thomas Zimmermann vom Thermografie-Institut Berlin. Dies deshalb, weil die nur fingerdicken Gefässe im Bein nicht ausreichen, um das abgekühlte Blut durch den gesamten Körper zu transportieren. Für die Pferdebeine sei das kalte Wasser trotzdem gut. Es helfe, Entzündungen zu vermeiden, die nach starker Belastung durch kleinste Verletzungen der Sehnen entstehen können. Für eine effektive Kühlung des Organismus müssten die Beine mit einem weichen Strahl und ca. 15 Grad kaltem Wasser (kein eiskaltes Wasser) für mindestens 10 Minuten gekühlt werden.