Alle Jahre wieder - Fellwechselzeit

Seit der Wintersonnenwende am 21. Dezember stellen sich unsere Tiere bereits auf Fellwechsel ein. Der Fellwechsel ist dabei nicht unbedingt temperaturabhänging, sondern orientiert sich vielmehr an den Sonnenlicht-Verhältnissen. Ein Kraftakt für den Organismus.

Viele Pferdebesitzer wollen Ihre Pferde in dieser Zeit unterstützen und beschaffen sich eine wahre Kampf-Ausrüstung an Zusatzfutter, in der Regel basierend auf Werbeversprechen der Futtermittelindustrie. Das ist gut gemeint und lobenswert, aber verfehlt seine Wirkung allzu oft oder überlastet den empfindlichen Organismus mit einer Flut an wenig sinnvollen Zusätzen. Oft wird dabei vergessen, dass der Fellwechsel wohl ein anstrengender Prozess ist, aber auch ganz natürlich und für die Tiere nichts Neues. Ein gesundes Pferd wird das problemlos alleine durchstehen. Bei der Fütterung von Pferden gilt immer der Grundsatz "weniger ist mehr" und eine gesunde, artgerechte Fütterung während des ganzen Jahres ist weitaus hilfreicher, als kurzfristige (teure) Fellwechsel-Kuren.

 

Wir haben bereits im Frühling 2016 eine Blog-Beitrag zum Thema verfasst.

 

Die Tierheilpraktikerin und Fütterungsberaterin Selen Graf aus Bern hat auf Ihrem Blog kürzlich einen Bericht darüber veröffentlicht: "Der Fellwechsel ist in unseren Breitengraden schon längst im Gange. Äusserlich sehen wir nur noch die letzte Phase des Fellwechsels wenn das Winterfell in grossen Mengen abfällt. Der eigentliche Fellwechsel beginnt jedoch schon viel früher, denn die Pferde reagieren nicht nur auf Temperaturunterschiede sondern vor allem auf Sonneneinstrahlung. Mit der Wintersonnenwende (21. Dezember) werden die Tage bereits wieder länger, das bedeutet, dass sich unsere Tiere bereits hormonell umstellen und sich im Stillen auf die kommende Veränderung vorbereiten. Ich behaupte nicht, dass sich unsere Pferde seit dem 21. Dezember im Fellwechsel befinden; trotzdem nehmen alle Lebewesen die Änderung der Sonneneinstrahlung wahr. Seit Februar – also jetzt – beginnen jedoch die meisten Pferde mit dem eigentlichen Prozess.Das Fellkleid besteht unter anderem aus Eisen, Schwefel, Kupfer, Zink, usw. Deshalb ist auch wichtig, dass unsere Pferde über genügend Mineralstoffe verfügen, um das Sommerfell aufbauen zu können. Dabei ist eine gesunde Verdauung das A und O, damit die für den Fellstoffwechsel notwendigen Stoffe aus der Nahrung resorbiert und aufgenommen werden können. Die beste Unterstützung für den Fellwechsel ist dementsprechend eine artgerechte dem Bedarf angepasste Fütterung. Ein gesundes Pferd bedarf demnach während des Fellwechsels: Heu, ein gutes Mineralfutter ohne Lockstoffe, ganze Leinsamen oder Wildsamen oder Sonnenblumenkernen."

 

Weshalb Frau Graf diese Zusätze empfiehlt, beschreibt sie wie folgt: "Vielfach wird die Zufütterung von Öl empfohlen - insbesondere von Leinöl. Davon möchte ich abraten und darauf hinweisen, dass es einen Grund gibt warum Pferde keine Gallenblase besitzen. Die Verdauung des Pferdes ist auf höhere Ölmengen nicht ausgelegt und das zusätzliche Füttern von Öl würde die Verdauung nur noch zusätzlich belasten und stören. Das bedeutet aber nicht, dass Pferde keine Fettsäuren benötigen; ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren beeinträchtigt unter anderem auch die Hautregeneration und kann auch den Fellwechsel verzögern. Die Equiden sind mit ihrer ausgeklügelten Verdauung durchaus in der Lage aus z.B. Samen die für sie notwendigen Fettsäuren zu absorbieren. Deshalb empfehle ich als Unterstützung während des Fellwechsels die zusätzliche Gabe von ganzen Leinsamen, von Wildsamen (z.B. Okapi) oder ganze Sonnenblumenkernen inklusive Schale (z.B. Landi)."

 

Die wilden Verwandten von unseren Hauspferden suchen sich intuitiv in der Natur die richtigen Wurzeln, Blättern und Samen aus - je nachdem welche Vitalstoffe sie gerade benötigen. Da unsere Pferde diese Möglichkeit nicht haben, können wir sie durch das Füttern von saisonalen Kräutern noch zusätzlich unterstützen.

 

Auf Warnsignale achten

Die Dauer des Fellwechsel hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Ein in einem Offenstall lebendes Pferd, das mehr mit Sonnenlicht in Kontakt kommt, wird weniger lange brauchen als ein Pferd, das z.B. wegen einer Sehnenverletzung Boxenruhe hat und somit weniger nach draussen kommt. Senioren wie auch Pferde mit Stoffwechselproblemen werden dabei stärker beansprucht und haben dementsprechend länger. Wenn ein Pferd sein Winterfell nur fleckenweise, gar nicht oder sehr mühsam verliert, ist das ein Warnsignal, das etwas mit dem Stoffwechsel nicht stimmt."

 

Quelle: Selen Graf, TierGesundheitsZentrum Bern