Mineralfutter - aber bitte ohne Zusatzstoffe

Es gibt unzählige Mineralfuttermischungen im Handel, die den Pferdebesitzer vor die Qual der Wahl stellen. Dieser lässt sich gerne von Werbeversprechen leiten und liest viel zu selten die Beipackzettel. Ein für das Pferd sinnvolles Mineralfutter zu finden, welches ohne Geschmacksverstärker und Trägerstoffe auskommt, ist auch gar nicht so einfach. Aber es gibt sie!

Die Zusammensetzung von Mineralfutter enthält oft allerlei wohlklingendes Gedöns und liest sich wie das "who is who" der Zusatzstoffe. Oft sind es unnötige Trägerstoffe die den Geschmackssinn der Tiere überlisten. Teilweise sind sie aber sogar kritisch. So zum Beispiel Traubenschalen, Bierhefe, Ölsaaten, allerlei Gemüse und Früchtemischungen und weitere Formen von lecker schmeckenden Zuckervariationen - im Übrigen alles Abfallstoffe aus der Lebensmittelindustrie.

 

Die Sache mit der Bierhefe...
Bierhefe in der Pferdefütterung ist für einige Biologen besonders kritisch. Gerade wenn nicht belegt ist, dass es sich um inaktivierte, also tote Hefezellen handelt, so die Ernährungsbiologen von Sanoanimal. Sehr viele Produkte würden mittlerweile Bierhefe enthalten oder gar ganz aus Bierhefe bestehen. Studien hätten aber belegt, dass lebende Bierhefezellen aus dem Futter bis in den Dickdarm gelangen können. Dort bestehe die Gefahr, dass sie aktiv werden, d.h. durch Gärung CO2 und Alkohol produzieren. Es kommt zu Blähungen und einer Verschiebung der Darmflora. Auch im Magen können sie unter Umständen Probleme bereiten. Einige Pferde reagieren sogar stark auf Bierhefe. [1] Komplett gegenteilig argumentiert Thomas Kranz von Natural Horse Care. Alle ihm bekannten Lebendhefen für Pferde würden eine hohe Resistenz gegenüber der Magensäure des Pferdes besitzen, nahezu unbeschädigt die Magenpassage überstehen und insbesondere im Blind- und Dickdarm ihre Wirkung entfalten. Soweit stimmt er den Biologen also zu. Das ist seiner Meinung nach aber gut. In etlichen Studien sei durch die Zugabe von Lebendhefen beim Pferd eine höhere Verdaulichkeit der Faserstruktur (Rohfaser) im Heu oder Stroh erreicht worden. Für ihn haben die Hefen (lebend oder tot) eine verdauungsfördernde bzw. –unterstützende Wirkung auf das Pferd. [2]

 

Was man nun glauben möchte bleibt einem - wie so oft - nun einfach selbst überlassen. Bestehen Zweifel daran, ob ein Zusatzstoff (den es in der natürlichen Pferdenahrung im Übrigen nicht gibt) gesund oder gar schädlich wirkt, würde ich sicherheitshalber anraten, darauf zu verzichten. Gerade Verschiebungen im Verdauungsorgan haben enorme Auswirkungen und können sich in vielfältigen Problemen und Krankheitsbildern äussern. Experimente sind da nicht unbedingt empfehlenswert.

 

Ölsaaten

Ölsaaten sind häufig schwierig, weil sich unweigerlich die Frage nach deren Konservierung stellt, da sie relativ schnell ranzig werden. Ob Konservierungsstoffe in den Pferdemagen gehören, ist wohl eine grundlegende ernährungstechnische Philosophiefrage (wie auch bei Menschen).

 

Unnötige Zuckerlieferanten

Wie bei den Fertigprodukten für uns Menschen, wird Zucker leider auch in der Tiernahrung immer wieder eingesetzt und häufig gut versteckt. Die zuckerhaltigen Geschichten und Geschmacksverstärker (darunter gehören auch getrocknete Früchte und Gemüse) haben klar nur ein einziges Ziel, das Mineralfutter soll gefressen werden - das wird dann mit "hoher Akzeptanz" umworben. Nun unterschätzen viele die Intelligenz von Pferden was ihr Futterverhalten anbelangt. In der Natur resp. naturnahe gefütterte Pferde können sehr wohl entscheiden, welche Mineralien wann gut für sie sind und sie tun es auch - sofern sie nicht mit Geschmacksverstärkern und Zucker manipuliert werden und sofern sie artgerecht mit Raufutter versorgt werden. Zucker sollte in der Pferdefütterung nun wirklich möglichst vermieden und nicht noch aktiv zugefügt werden.

 

Wer nun aber gezielt nach möglichst reduziertem Mineralfutter sucht, merkt schnell, dass weit über 95% der Mineralfuttermischungen vollgepackt mit teilweise sehr fraglichen Zusätzen sind. Es ist nicht einfach, aber es gibt sie. Zum Beispiel hier:

 

HBD Agrar: HBD's Horse Mineral melassefrei. Das Mineralfutter ist zuckerfrei und ohne Bierhefe. Bei empfindlichen Pferden (z.B. Ekzemer) kann das Futter auch ohne Apfeltrester bestellt werden. Es gibt das Mineral auch in der handlichen Leckerli-Version. In der Schweiz erhältlich beim Parelli Instruktor Walter Gegenschatz.

Zusammensetzung:
Leinextraktionsschrot, Calciumcarbonat, Magnesium, Leinsamen, Kieselgur.

 

Okapi: Okapi Mineral Pur. Leider nicht zu 100% melassefrei, aber nahezu. Das Mineralfutter wird pur angeboten tatsächlich nur gefressen, wenn Bedarf besteht. Es besteht aus reinen, organisch gebundenen Mineralien ohne Zusatz von synthetischen Vitaminen. In der Schweiz erhältlich bei Sunhorse.

 

Zusammensetzung: Calciumcarbonat, Natriumchlorid, Monocalciumphosphat (anorganisch), Traubenkernschrot, Melasse

 

Natürliche Mineralstofflieferanten:

- Braunalgen: Seealge Ascophyllum nodosum (Achtung, hoher Protein und -Jodgehalt)

- Blaualgen: Spirulina Alge (Achtung, hoher Protein und -Jodgehalt)

Algen haben einen hohen Anteil an natürlichen Mineralien, Vitaminen und hochwertigen Eiweissen. Sie sollten aufgrund des hohen Jodgehaltes nur intervallmässig oder kurmässig und in kleinen Dosen verfüttert werden. Bei Zuchtstuten ist besondere Vorsicht geboten.

- Bavaria Steinsalz (Natrium, Mineral- und Spurenelemente)

 

Natürliche Vitalstofflieferanten:

- getrocknete Hagebutten als Vitalstoffbombe (extrem hoher Vitamin C Gehalt, Vitamin B, Vitamin K, Niacin, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, organische Säuren, und Pektine). Eine Handvoll täglich ist für Islandpferde ausreichend.

 

Quellen:

[1]: Rahid Nahoma, Sanoanimal

[2]: Thomas Kranz, Natural Horse Care