Pferde sind Saugtrinker!

Sie sind weit verbreitet und sicher nicht ganz unpraktisch im Alltag. Doch viele Pferdebesitzer mögen sie trotzdem nicht und die Pferde vermutlich noch sehr viel weniger. Die Rede ist von Selbsttränken. Warum das so ist, könnt ihr hier nachlesen.

Quelle: www.horse-gate.com

 

Wie so vieles andere auch, ist das natürliche Trinkverhalten von Pferden darauf zurückzuführen, dass sie Fluchttiere sind. Sie sind darauf programmiert, so viel Wasser wie möglich in der kürzest möglichen Zeit zu trinken – sie können, auch ohne Raubtiere in der Nähe, gar nicht anders trinken.

 

„Viel Wasser in möglichst wenig Zeit ist auch das wichtigste Kriterium für eine gute Pferdetränke“. Dirk Ringsdorf von der Firma Lister

 

Obendrein ist so eine Tränke natürlich für die rangniedrigen Pferde in einer Herde günstig, die oft nur kurz Zeit zum Trinken haben, bevor sie von der Wasserstelle verscheucht werden. Tränken, bei denen Pferde keinen Mechanismus betätigen müssen, damit Wasser fließt, zum Beispiel Balltränken oder Tränken mit Schwimmerventil, kommen dem natürlichen Trinkverhalten von Pferden am meisten entgegen.

 

Balltränken

Mit Balltränken kommen die meisten Pferde gut zurecht. Bei diesen Modellen ist auch der Wasserstand im Becken in der Regel so hoch, dass sie in großen Zügen trinken können. Balltränken sind relativ gut vor Verschmutzung geschützt. Es können sich jedoch Futterreste im Wasser absetzen, deshalb ist auch bei ihnen eine regelmäßige Reinigung wichtig.

 

Wichtig: Liter pro Minute

Wenn Sie eine Tränke installieren, bei der die Pferde einen Mechanismus betätigen müssen, damit Wasser herausfließt, sollten Sie auf eine Angabe achten, wie viel Liter pro Minute in Abhängigkeit vom Wasserdruck sie fließen lässt. „Es gibt Tränken auf dem Markt mit nur 2 Litern pro Minute, aber auch solche mit 17 bis 18 Litern pro Minute“, berichtet Ringsdorf. Das hängt zum einen von der Qualität und der Beschaffenheit der Ventile ab, zum anderen vom vorhandenen Wasserdruck. Bei einem geringen Wasserdruck tun Pferde sich leichter, eine Selbsttränke zu betätigen, als bei einem hohen. Bei hohem Druck und Durchfluss sind manche Ventile jedoch so geräuschvoll, dass empfindliche Pferde erschrecken und die Wasserstelle meiden – gerade auch Fohlen, die noch wenig Erfahrung mit Tränken haben. Rücksicht auf die Nase.

 

Druckzungen sind für Pferde ungeeignet

Grundsätzlich sollte das Ventil einer Tränke möglichst leichtgängig sein, da Pferde, und erst recht Fohlen, sehr druckempfindliche Nasen haben. Rindertränken sind meist etwas schwergängiger als Pferdetränken und sollten deshalb nicht verwendet werden. „Mit der Hand ist der Unterschied manchmal kaum fühlbar, aber Pferde sind an der Nase natürlich sehr druckempfindlich und merken das sofort“, hat Martin Lechner von Kerbl beobachtet.Tränken mit Rohrventil sind leicht zu reinigen und meist leichtgängiger als Modelle mit Klappenventil oder Druckzungen. „Klappenventile lassen zwar auch eine große Menge Wasser nachfließen, sind aber schwerer zu reinigen als Rohrventile, weil sich unter der Zunge Dreck ansammelt“, erklärt Ringsdorf. Ralf Hesse von der Firma Großewinkelmann, die die Tränken von Lister und Suevia vertreibt, hat beobachtet, dass bei den Tränken mit Zungen oft Wasser daneben und den Pferden in die Nüstern spritzt, was diese ebenfalls vom Trinken abhält. Die Firma Horizont bietet eine sogenannte Technipilot-Halterung für Tränken, die es möglich macht, eine Tränke mit Druckzunge in eine Tränke mit Rohrventil umzubauen. Praktisch ist es, wenn eine Tränke von möglichst vielen Seiten erreichbar ist – und das Pferd das Ventil aus mehreren Richtungen betätigen kann. Für die Reinigung ist es günstig, wenn das Tränkebecken einen Stöpsel hat. Die Firma Horizont bietet Tränken mit einem patentierten Filter, der von außen zugänglich ist und eine Reinigung erlaubt, ohne das Wasser abzustellen.

Eigene Erfahrungen

Jeder Pferdebesitzer hat mit Sicherheit schon die Erfahrung gemacht, dass Pferde aus Bächen, Brunner oder gar Eimern deutlich mehr trinken und diese sogar bevorzugen. Bei uns im Offenstall wurde sogar das Regenwasser (wohlgemerkt abgestanden) aus Tonnen sehr viel lieber getrunken, als das Frischwasser aus der Selbsttränke. Das gibt einem schon zu denken.