Frostig - Wasserversorgung im Winter

Für Stallbesitzer regelmässig ein Graus sind Temperaturen weit unter Null über mehrere Tage. Manche Ställe schliessen dann die komplette Stallanlage oder stellen das Wasser ganz ab. Wer den Offenstall aber offen lassen und dennoch nicht auf fliessend Wasser verzichten möchte, kommt an einer Rohrbegleitheizung kaum vorbei.

Aus aktuellem Anlass muss ich mich mit Minustemperaturen und der damit zusammenhängenden Wasserversorgung im Pferdestall auseinander setzen. Selbstverständlich wird da recherchiert, um möglichst alle möglichen und unmöglichen Ideen zu prüfen.

 

Die Besprechung mit dem Heiztechniker hat ergeben, dass die reine Isolation von Leitungen und dergleichen nichts bringt. Sinken die Temperaturen über einige Tage des Nachts weit unter Null, werden die Leitungen gefrieren - Isolation hin oder her. Es gibt nur eine Lösung, nämlich das Wasser aufheizen. Da dies relativ teuer ist und nur für einige Tage im Jahr benötigt wird, empfiehlt es sich zu prüfen, ob ein Teil der Wasserleitungen bei Bedarf via Absperrhahn zugedreht werden kann. Bei uns im Stall war das zum Glück relativ einfach möglich. 80% der Wasserleitungen können nun von der Wasserversorgung getrennt werden, da diese nicht zwingend benötigt werden. "Nur" zwei Leitungen zu Tränkebecken und zum "Brüneli" müssen noch beheizt werden. Wir haben uns für die selbstregulierenden Heizbänder entschieden. Damit aber noch nicht genug. Denn auch das Ende - also die Tränke an sich - muss frostsicher sein. Also muss auch hier eine beheizbare Tränke besorgt werden. Die Einkaufsliste für 10m Wasserleitung sieht nun wie folgt aus:

  • 10 lfm Heizband - 85.70
  • 10 lfm Isolationsschlauch - 79.00
  • Anschluss-Set - 39.90
  • T-Stück - 49.90
  • 2. Endstück - 19.90
  • 2m Verbissschutz - 34.94
  • Frostschutz-Thermostat - 59.87
  • 2 beheizbare Schwimmertränken - 218.00

Preislich sind wir bereits bei 587.21 EUR (ich bestelle solche Produkte wenn möglich immer in Deutschland. Nicht unbedingt wegen der Preise, sondern vor allem wegen der deutlich grösseren Auswahl). Hinzu gerechnet werden muss noch die Installation des Absperrhahns und das Anschliessen der Heizung durch einen Elektroinstallateur.

 

Rohrbegleitheizung

Um bestehende Wasserrohrsysteme frostsicher zu bekommen, eignen sich Rohrbegleitheizungen. Dazu werden die Wasserrohre mit Heizdrähten umwickelt und anschliessend isoliert. Auf Wasserrohre aus Metall können die Heizdrähte direkt aufgebracht werden. Kunststoffrohre werden zuerst mit einem wärmeleitenden Aluminiumklebeband umwickelt, darauf werden dann die Heizdrähte verlegt. Bei der Verlegung ist es wichtig, dass sich die Heizdrähte nicht überkreuzen. Sonst kann es zu lokaler Überhitzung und Kabelbränden kommen. Für eine Rohrlänge von zehn Metern werden etwa zwölf Meter Heizkabel benötigt. Heizkabel werden mit 230 oder 24 Volt angeboten. 230-Volt-Heizkabel werden in gerader Linie unterhalb der Wasserleitung verlegt. In das Kabel ist zudem ein Thermostat integriert, der die Temperatur auf dem Wasserrohr misst. Er schaltet die Heizung unter fünf Grad Leitungstemperatur ein und bei mehr als fünfzehn Grad wieder aus. Ein Transformator wird nicht benötigt. Um das Unfallrisiko bei Verbiss zu mindern, bevorzugen viele Stallbesitzer 24-Volt-Heizkabel. Dann muss ein Trafo eingebaut werden.*1

 

Selbstregulierende Heizbänder

Anstelle von Heizdrähten können auch selbstregulierende Heizbänder verwendet werden. Diese bestehen aus einem speziell gefertigten Kunststoff mit eingebetteten Kohlenstoffteilchen, die zwischen zwei Kupferleitern das Heizelement bilden. Steigt die Temperatur, dehnt sich der Kunststoff aus, der elektrische Widerstand steigt, die Heizleistung sinkt. Bei Abkühlung kehrt sich der Vorgang um. Selbstregulierende Heizbänder reagieren Zentimeter für Zentimeter auf Temperaturschwankungen und heizen jeden Rohrabschnitt nach Bedarf. Eine Überhitzung wird so ausgeschlossen. Diese Bänder werden in gerader Linie an den Rohren angebracht und dürfen sich im Gegensatz zu den Heizdrähten auch überkreuzen. Eine gefahrlose Umwicklung von Ventilen oder Wasserhähnen ist dadurch möglich. Heizbänder werden mit 230 Volt betrieben; um sie an bestehende Stromleitungen anzuschließen, wird ein Anschluss-Set benötigt. Das andere Ende kann passend abgeschnitten werden, da beide Kupferleiter zur Hin- und Rückführung des Stroms vorhanden sind. Es ist lediglich ein Endstück anzubringen, das gegen Berührung und Feuchtigkeit schützt. Das Heizband benötigt ohne Isolierung zehn Watt Strom pro Meter – bei zusätzlicher Isolierung lässt sich der Stromverbrauch auf drei bis vier Watt pro Meter senken. Sowohl für Heizkabel als auch für selbstregulierende Heizbänder gilt: Überall, wo Pferde an die Leitungen gelangen können, ist ein Biss- und Trittschutz unbedingt notwendig.*1

 

Umlaufheizungen

Für Neubauten oder Ställe, in denen die Wasserrohre als Ringleitung angebracht sind, machen Umlaufheizungen Sinn. Eine Zirkulationspumpenstation mit integriertem Heizelement (230 Volt Netzanschluss) sorgt für eine gleichbleibende Fließgeschwindigkeit innerhalb der Tränkeanlage. Über diese konstante Wasserbewegung wird bereits eine gewisse Frostsicherheit erreicht. Die thermostatgesteuerte Heizeinheit sorgt zudem für eine ausreichende Temperierung des Wassers. Je nach Modell reicht eine solche Pumpe für zwei- bis vierhundert Meter Wasserleitung.

Bei der Anschaffung einer Umlaufheizung sollte beachtet werden, ob die Heizeinheit direkten Wasserkontakt hat. Ist dies der Fall, muss der Heizstab regelmäßig entkalkt werden, um eine ausreichende Funktion zu gewährleisten. In Gegenden mit sehr kalkhaltigem Wasser artet das schnell in Arbeit aus. Wer sich diesen Aufwand sparen möchte, sollte sich eine Umlaufheizung anschaffen, bei der die Heizeinheit keinen direkten Wasserkontakt hat. In solchen Modellen führt die Heizspirale an der Innenseite eines Edelstahlbehälters entlang. Dieser erhitzt sich und gibt die Wärme an das vorbeifließende Wasser ab. Die eingebaute Kalkschutzfunktion sorgt dafür, dass die Temperatur des Behälters unter fünfundfünfzig Grad gehalten wird, somit kann sich kein Kalk anlagern. Damit sich die Umwälzpumpe nicht festsetzt, sollte sie auch in den Sommermonaten regelmäßig eingeschaltet werden. Einige Modelle haben daher eine integrierte Umschaltung für Sommer- und Winterbetrieb.

Die Umlaufheizung funktioniert nur in geschlossenen Ringleitungen. Gehen von dieser Stichleitungen zu den Tränkebecken ab, müssen diese zusätzlich isoliert, oder, bei entsprechender Länge, mit einer Rohrbegleitheizung ausgestattet werden. In sehr kalten Ställen braucht es auch bei der Umlaufheizung zusätzlich beheizbare Tränkebecken, damit das Restwasser darin nicht einfriert. Beheizbare und/oder frostsichere Tränken für Offenställe und Weiden funktionieren nach einem anderen System – alle haben aber eines gemein: Die Wasserversorgung der Pferde ist immer gesichert und man spart sich das lästige Wassereimerschleppen.*1

 

Quellen:

*1 www.barnboox.de