Pfingstritt im Zürcher Weinland

Sechs Pferde, fünf Frauen, ein Abenteuer. Dem schlechten Wetter zum Trotz haben sich mit Andrea, Franziska, Cornelia, Priska aus der Zentralschweiz und Ramona vom Bündnerland, fünf reitfreudige Frauen über Pfingsten aufgemacht ins Zürcher Weinland, um ein paar erholsame Tage im Sattel zu verbringen.

Text und Bilder: Priska Purtschert

 

Hatte es am Samstagmorgen noch wie aus Kübeln gegossen, beruhigte sich das Wetter fast auf wundersame Weise genau in dem Moment als es los ging und so konnten wir trockenen Fusses die letzten Vorbereitungen treffen, die Pferde verladen und uns auf in Richtung Oberneunforn im Kanton Thurgau machen.

Dort wurden wir fünf herzlich von Barbara, Andreas Reitfreundin von früher in Empfang genommen. Bei ihr durften wir die nächsten drei Tage unsere Isis auf die Weide stellen und gute Tipps für unsere grösseren und kleineren Ausritte einholen.

Unsere Andrea, nennen wir sie mal Organisatorin, ist in Oberneunforn aufgewachsen und hatte sich trotz jahrelangem Fernbleiben einige Touren in Erinnerung gerufen. Sie war allerdings überhaupt nicht traurig, als sich Barbara kurzerhand nach acht Jahren Reitabstinenz dazu entschloss, uns zumindest bei den beiden kurzen Ritten zu begleiten und anzuführen. Und so wurden aus den fünf Freunden zwischenzeitlich sogar sechs. Als hätten wir das geplant, konnten wir so unser Packpferd zum Reitpferd umfunktionieren, und Barbara führte uns - als hätte sie die letzten acht Jahre nichts anderes gemacht - durchs Zürcher Weinland.

 

Fielen beim ersten Ritt, vorbei an diversen Seen und durch dichte Wälder, verfolgt vom unerschrockenen Begleithund Martini, anfangs noch einige Tropfen, erholte sich das Wetter in der Folge immer mehr und so konnten wir bereits am ersten Tag 2 ½ h Genussreiten verzeichnen mit diversen ausgiebigen Töltpassagen und Möglichkeiten, dass einem schon fast die Tränen kamen. Dabei war dies erst der Anfang, wie sich bereits bald herausstellen sollte.

Nach getaner Arbeit und ausgiebigem BBQ bei leider wieder feucht aber dennoch fröhlichen Bedingungen haben wir uns dann in einem B&B im Burghof bei Ossingen, nur gerade 2 Kilometer von Oberneunforn entfernt einquartiert. Dort kann übrigens auch ohne Bekannte in Neunforn mit Pferden übernachtet werden. Wir wurden von Herrn Flachsmann und seiner Gattin mit viel Leidenschaft und nie um ein Wort verlegen bewirtet. Ein Betthupferl aus dem Hause Egloff, einem bekannten Weingut der Gegend gehörte natürlich zum Programm und nach dem kurzen Spaziergang von Egloffs nach Hause, fielen wir müde aber sehr zufrieden in unsere Betten. Punkt 8.00 Uhr standen dann alle wieder auf der Matte, denn das Frühstück zu so früher Stunde war dann doch verpflichtend, wollte Herr Flachsmann seine Gattin doch nicht umsonst an einem heiligen Sonntag so früh aus den Federn scheuchen.

Nach herrlicher Verköstigung und herzlicher Verabschiedung, ging’s dann zurück zum Hof um unsere Isis für den Ganztagesritt zu rüsten. Pferde putzen, satteln, Packpferd beladen und los konnte es gehen, diesmal allerdings nur zu fünft.

Wir ritten bei kühlem aber recht sonnigem Wetter durch die umliegenden endlosen Weinberge mit Ziel Kartause Ittingen, einem früheren Kloster das im 12. Jahrhundert von einer Burg in ein Kloster umgewandelt wurde und heute das Ittinger Museum beherbergt. Eine herrliche Anlage mit Teich, Kirche, Laden, Restaurant und den allerbesten Anbindevorrichtungen für unsere Pferde, so dass wir genüsslich und mit Blick auf sechs wunderschöne Isländer unser Mittagessen geniessen konnten.

 

Zurück ritten wir dann entlang der Thur, die dieser Tage enorm viel Wasser führte, so dass wir uns zwischenzeitlich eher wie Katastrophentouristen statt wie Wanderreiter vorkamen. Nach diversen Pausen und Töltstrecken soweit das Auge reicht, beendeten wir nach gut 7 ½ h unseren zweiten Ritt und quartieren uns im Schloss Schwandegg in Waltalingen für unsere nächste Nacht ein.

Zum Abschluss verköstigten wir uns in einem Restaurant in Stein am Rhein bevor wir uns bei abendlicher Stimmung und begleitet von einem wunderbaren Sonnenuntergang noch auf zum Rheinfall machten. Die Überraschung des Tages wartete allerdings erst bei unserer Rückkehr auf uns, als wir bemerkten, dass man uns versehentlich aus dem Schloss ausgesperrt hatte. Nach diversen geistreichen und weniger geistreichen Versuchen uns bemerkbar zu machen, wurden wir dann doch noch reingelassen und mussten die Nacht nicht wie befürchtet zu fünft im Auto verbringen.

 

Unseren Ausflug beendeten wir am Montag mit einem letzten ca. 2 stündigen Ritt, bei sehr kühlen aber eigentlich idealen Temperaturen, und dann hiess es auch schon wieder einpacken und den Weg nach Hause in Angriff nehmen. Wetterprognose hin oder her, diese Tage haben wir alle sehr genossen und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die Gastfreundschaft bedanken. Das Zürcher Weinland können wir allen Reitern nur wärmstens empfehlen, wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal da.

Ein herzliches Dankeschön an die Reiterinnen für diesen sehr amüsant zu lesenden Bericht. Wir freuen uns über diesen ersten Leserbeitrag für den IPV Blog und hoffen auf viele weitere...