Isländische Namensgebung von Monika Jaedig

In der letzten Magazinausgabe haben wir die Bedeutung der isländischen Namensgebung thematisiert. Da es doch viele Anfragen gab, werden wir hier einige Analyse von Monika Jaedig im Blog veröffentlichen.

Texte: Monika Jaedig

 

Mýsla

Mýsla vom Neckertal heisst die hübsche Erdfalbstute von Barbara Zuppiger. Mýsla ist die Koseform von Mús (Maus), bedeutet also Mäuschen, oder gut schweizerisch „Müüsli‘‘. Das isländische ý wird wie ein langes i ausgesprochen. Im heutigen Isländisch wird bei der Aussprache von í und ý nicht mehr unterschieden, genauso verhält es sich beim kürzer ausgesprochenen i und y.

 

Mýsla ist eine Eigenzucht aus Barbaras Stute Fífa frá Flugumýri und dem Hengst Lúkas frá Litla-Ármóti vom Reithof Neckertal. Barbara gehört zu jenen Züchtern, die sich den Wunsch nach einem Fohlen aus der eigenen Stute erfüllt haben -- und dieses selbstverständlich behalten möchten.

 

Barbaras Tochter Kristín hat so die wunderbare Möglichkeit, Mýsla aufwachsen zu sehen und mitzuerleben, wie aus dem plüschigen Fohlen von 2012 ein zuverlässiges Reitpferd wird. Das liebenswerte, mitunter verträumte Mädchen ist ein grosser Islandpferdefan und Barbara ist natürlich gespannt, wie sich die Freundschaft zwischen Kind und Pferd entwickeln wird. Alles Gute für Kristín und Mýsla auf ihrem weiteren Lebensweg!


Krákustígur

„Komm Kráki, das schaffen wir, ich weiss es!”, motiviert die Besitzerin Klara Steinmann jeweils ihren apfelgrauen Liebling.

 

Krákustígur gehört zu jenen Pferdenamen, welche sich auf einen Ort oder ein landschaftliches Merkmal beziehen. Wörtlich übersetzt heisst er „Krähensteig“, ein schmaler, gewundener Pfad. Steig/stígur weist darauf hin, dass es bergauf geht. Ausgesprochen wird der Name etwa Krauky:sti:gy:r

 

Der Hofname Þjóðólfshagi 1 bedeutet Þjóðolfs Weide, vermutlich einst nach seinem Gründer Þjóðólfur benannt. Die Herkunftsbezeichnung von Pferden aus Island wird immer mit frá (von) und dem Hofnamen im Dativ (Wemfall) angegeben. Aus hagi wird haga im Wemfall. Die Nummerierung gleichnamiger, nebeneinander liegender Höfe findet man in Island öfter.

 

Zurück zu Krákustígur: Beim Reiten wünschen wir uns auch ein bergauf gehendes, mit der Hinterhand arbeitendes Pferd. Selten führt der Weg zu diesem Ziel schnurgeradeaus, oft müssen wir ein paar Kurven in Kauf nehmen. Aber ans Ziel kommen wir trotzdem!

 

Klara und Krákustígur wünsche ich von Herzen, dass sie alles erreichen, was sie sich vorgenommen haben.


Glampi und Gráni - Blitz und Zauber

 

An der diesjährigen FEIF-Konferenz in Haarlem (NL) wurde beschlossen, dass per sofort eine Positivliste für Islandpferdenamen geführt wird (siehe Artikel von Sandra Zippo in Islandpferde Schweiz 1/2016). Diese Massnahme wurde notwendig um sicherzustellen, dass auch künftig nur traditionelle isländische Namen vergeben werden, wie es seit eh und je üblich ist.

 

Die Namen von Rosemarie Becks Pferden Glampi und Gráni sind traditionell und erfüllen alle Bedingungen der Liste. Glampi, der Fuchs mit Blesse, und der Schimmel Gráni sind beide 24 Jahre alt und noch flott unterwegs, wie das wunderschöne Winterfoto zeigt.

 

Das Tempo, welches Glampi vorlegt, könnte durchaus mit seinem Namen zu tun haben, bedeutet dieser doch nichts anderes als Blitz. Machte Klein-Glampi sich vielleicht immer blitzschnell davon, wenn man ihn einfangen wollte? Der Name könnte auch ein Hinweis auf sein glänzendes fuchsrotes Fell oder schimmernden Glanz in den Augen sein. Glanz und Schimmer sind weitere Entsprechungen für Glampi und das Verb að glampa wird mit blitzen, glitzern und schimmern übersetzt.

 

Ein Pferd nach seiner Farbe zu benennen war besonders in früheren Zeiten sehr verbreitet. Auch bei der Namenswahl von Gráni (der Graue) war die Fellfarbe ausschlaggebend. Im Sommerfell war Gránis graue Äpfelung in den letzten Jahren immer noch zu sehen, berichtet seine Besitzerin.

 

Das á in Gráni wird ausgesprochen wie au, also Grauni. Den Namen Grani (gesprochen wie geschrieben) gibt es übrigens ebenfalls, dieser steht auf der offiziellen Namensliste für zweibeinige Isländer.

 

Apfelgraue Pferde werden in den Isländersagas und Volksmärchen mit Magie in Verbindung gebracht.

 

Gráni ist der Liebling seiner Reiterin Lisa und hat sie mit seinen weichen Gängen bezaubert, wie Rosemarie erzählt. Zudem hat er einen sehr prominenten Namensvetter: das treue graue Pferd aus dem Kinderbuchklassiker Nonni und Manni von Jón Sveinsson, welcher einst fürs deutsche Fernsehen verfilmt wurde.

 

Rosemarie Beck und Lisa wünsche ich noch viele schöne Jahre mit ihren Lieblingen Glampi und Gráni!