Grundlagen Bodenarbeit

Bodenarbeit ist die Basis feiner Kommunikation und setzt damit auch den Grundstein für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mensch und Pferd. Gute Bodenarbeit ist anspruchsvoll und erfordert mindestens so viel Erfahrung und Geschick wie das Reiten an sich. Völlig ungerechtfertigt wird dieses Training oft belächelt.

Obwohl Bodenarbeit die Basis für jede Reit- und Fahrsportdisziplin ist, ist sie enorm vielfältig und wird neben Springen, Dressur, Western und dem Gangreiten als eine eigene Disziplin betrachtet. In der Bodenarbeit existieren viele Varianten mit unterschiedlichen Zielen. Die vermutlich bekannteste Bezeichnung von Bodenarbeit ist das sogenannte Horsemanship. Horsemanship ist allerdings keine Technik, sondern damit wird der pferdegerechte und pferdeverständliche Umgang bezeichnet. Dieser soll vor allem für das Pferd Sinn machen. Der Reiter oder Pferdeausbilder soll die Körpersprache des Pferdes verstehen und richtig deuten, um mit dem Pferd kommunizieren und gleichzeitig die Führungskompetenz bewahren zu können. [1] Basierend auf dem Horsemanship-Gedankengut existieren viele Abspaltungen, wie zum Beispiel die Arbeit nach Parelli, klassische Lektionen, zirzensische Lektionen, Horse Agility und viele mehr.

 

Verschiedene Ziele der Bodenarbeit

  • Kommunikationsgrundlage
  • Stärkung und Bindung der Beziehung zwischen Mensch und Pferd
  • Training der Führung auch in schwierigen Situationen (Sicherheit)
  • Alltagsbewältigung wie z.B. täglicher Kontakt und Pflege, Hufbearbeitung, Tierarzt-Behandlungen, Verladen in den Anhänger, etc.
  • Gymnastizierung
  • Grundlagen und Vorbereitung fürs Reiten und die Erarbeitung von Lektionen
  • Körperliche und geistige Herausforderungen
  • Abwechslung und Spass

Als Basis zu Beginn der Bodenarbeit dient die geführte Handarbeit. Sie kommt sinnvollerweise noch vor dem Longieren, da sie als Vorbereitung dient. Damit ist aber nicht das hinter sich herlaufen lassen des Pferdes gemeint. Das Pferd lernt dabei vielmehr das punktgenaue Antreten, Tempovarianzen, Richtungswechsel und das Abbremsen mit dem Menschen. Sitzen diese Basisübungen, können sie mit Seitengängen und Rückwärtsrichten ergänzt werden. Ziel dabei ist genau wie später unter dem Sattel, die Hilfen auf das kleinstmögliche Mass zu reduzieren. Die Impulse des Menschen sind dann für andere kaum oder gar nicht mehr sichtbar, der Strick wird unnötig. Darauf aufbauend bzw. ergänzend sind den Möglichkeiten mit diversen Gelassenheits- und Geschicklichkeitsübungen, gymnastizierender Arbeit mit Stangen, Cavalettis, Pylonen etc. der Arbeit an der Longe, Doppellonge oder am langen Zügel keine Grenzen gesetzt.

 

Die Sache mit der Dominanz

Oft wird mit Bodenarbeit – vor allem bei der Freiarbeit im Roundpen - das sogenannte Dominanztraining in Verbindung gebracht. Was unter Dominanz verstanden wird und ob das Pferd dominiert werden muss, ist allerdings Ansichtssache und sehr individuell. Alfonso Aguilar hat es wie folgt ausgedrückt: „Das Pferd muss nicht vom Menschen dominiert werden, sondern es sollte von ihm Lernen wie es mit schwierigen Situationen umgehen und selbst Lösungen finden kann." [2] Dass die Pferdeherde mehr oder weniger hierarchisch strukturiert ist und dass Regeln Sicherheit geben, steht ausser Frage. Da der Mensch aber niemals ein Mitglied der Herde sein wird, muss er wirklich ranghöher sein? Ist es eine Frage der Rangordnung, wenn ein gut trainiertes Pferd die von ihm gewünschten Übungen ausführt, weil es dafür in irgendeiner Form belohnt wird? Und ist es eine Frage der Rangordnung, wenn ein Pferd ein bestimmtes Verhalten unterlässt, weil dies nie belohnt wird? Muss das Pferd – ganz nach dem Grundsatz des Horsemanship – nicht einfach nur verstehen, was der Mensch von ihm möchte und für das richtige Verhalten entsprechend gelobt werden? Ist der Erfolg der Trainingsmethode mit positiver Verstärkung beim Pferd wirklich gleichzusetzen mit Unterordnung? Sind nicht eher Selbstsicherheit und Souveränität, Geduld und klare Kommunikation (u.a. Disziplin) die Faktoren für ein angenehmes und freiwilliges Miteinander?

 

Ausrüstung für die Bodenarbeit

Für den Mensch gilt aus Sicherheitsgründen der Grundsatz von gutem Schuhwerk und das Tragen von Handschuhen. Je nachdem an was gearbeitet wird bzw. abhängig vom Ziel der Übungen, sind verschiedenen Ausrüstungen am Pferd sinnvoll oder weniger sinnvoll. Sehr oft wird bei der Basisarbeit oder bei der Anwendung von Parelli-Techniken ein Knotenhalfter benutzt. Das Knotenhalfter ist leicht und stört nicht, vor allem wenn der massive Karabiner der üblichen „Rope" gegen etwas feineres ausgetauscht wird. Mit sehr fein dosierten Impulsen kann mit dem Knotenhalfter die Hilfengebung von Anfang an minimal gehalten werden. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn das Knotenhalfter wirkt aufgrund der Lage der feinen Knotenpunkte und der feinen Seile ausgesprochen scharf auf Nasenrücken und Genick. Für gymnastizierende Tätigkeiten eignen sich Knotenhalfter oder auch Stallhalfter nicht, da die seitliche Einwirkung unpräzis bzw. gar nicht möglich ist. Für das Training an den Seitengängen und die Arbeit an der Longe, Doppellonge oder am langen Zügel ist ein guter Kappzaum das Mittel der Wahl. Ob als Verlängerung des menschlichen Armes der Rest der Strickes/der Longe, eine Dressurgerte, die Tellington-Jones-Gerte, der Carrot-Stick, eine Longiergerte oder eine Fahrpeitsche dient, ist zum einen von der Übung und zum anderen von den Vorlieben des Trainers abhängig. Je näher die Übungen am Pferd stattfinden, desto kürzer wird die zusätzliche Hilfe sein. Wichtig ist eigentlich nur, dass die Hilfen stets präzise und punktgenau gegeben werden.

 

Quellen:

[1] www.horsemanship-schule.ch

[2] www.aguilarnaturalconcepts.com