Testbericht Stübben Portos Freedom

Benedikt Lindal war im Frühling 2016 in Südisland unterwegs, um seine mit Stübben entwickelte Neuheit vorzustellen - den zweigeteilten Islandpferdesattel Portos Freedom. Wir konnten den langersehnten Sattel nun über viele Monate selber testen.

Text: Angi Böni

 

Für die Grossen ist die Equisoft Technologie bei Spring- und Dressursätteln schon länger im Sortiment. Der Portos Freedom mit dem geteilten Sattelbaum ist erst seit 2016 erhältlich. Was Benni über den Sattel zu berichten hat, könnt ihr auf der Homepage von IcelandReview unter folgendem Link nachlesen. Auf jeden Fall spannend und lohnenswert.

 

Die Equi-Soft Komponenten

Die Innovation wurde in einer Kooperation von Stübben mit dem spanischen Unternehmen Equi-Soft® entwickelt. "Die Satteltechnologie Stübben Equi-Soft® besteht aus drei Komponenten. Einem geteilten Sattelbaum, einer in 4 Positionen verstellbaren Sturzfeder sowie neuartigen Gurtstrupfen mit Elastikbändern", so Stübben. Die drei Neuheiten sind komplett oder als einzelne Option erhältlich. 

 

Der biomechanische Sattelbaum

Der biomechanische Sattelbaum passe sich optimal der Rückenbewegung des Pferdes an. Der geteilte Sattelbaum ermögliche dem Pferd grösstmögliche Bewegungsfreiheit, da Druck vom Rücken des Pferdes genommen werde. Der Baum ermögliche dem Reiter zudem seine Gewichtshilfen sehr direkt zu übertragen. Basis des Equi-Soft Sattelbaumes ist der Stübben-Stahlfederbaum. Die zweiteilige Architektur des Baumes verbessere des Weiteren auch die Luftzirkulation im Sitz.

 

Testbericht

Drei Testreiter, zwei Freizeit- und ein Berufsreiter, waren die letzten vier Monate mit dem Sattel auf verschiedenen Pferden unterwegs. Das individuelle Testurteil fällt zwar unterschiedlich aus, vom Grundsatz her hat der Portos Freedom und dessen Technologie aber alle Testreiter überzeugt.

 

Der Sattel ist optisch ansprechend und passt proportional sehr gut auf unterschiedlichste Islandpferde. Einzig gewöhnungsbedürftig war die Optik der zweigeteilten Sitzfläche, allerdings war das schnell vergessen. Die hohe Qualität von Leder und die gute Verarbeitung entspricht dem guten Ruf von Stübben auf ganzer Linie.

 

Anders als erwartet, ist die Zweiteilung beim Reiten nicht unmittelbar spürbar. Das Sitzgefühl ist erstmal wie bei jedem anderen Sattel. Dementsprechend sind auch die Vorlieben der Reiter wie bei jedem Sattelmodell unterschiedlich. Auch im Trab und Galopp waren keine nennenswerte Unterschiede im Sitzgefühl spürbar. Bereits im Schritt überzeugen die Vorteile der Zweiteilung, da die Beckenbewegung des Reiters besser zugelassen wird und die Sitzbeinhöcker weniger auf Widerstand stossen. Im Tölt und in den Seitengängen hat sich die Zweiteilung dann sehr deutlich bemerkbar gemacht. Der Sattel begleitet die Rotationsbewegung der Reiterhüfte im Tölt, die beiden Seitenteile bewegen sich sichtbar links und rechts mit der Bewegung des Pferdes mit. Ein sehr angenehmes Gefühl, wohl auch für das Pferd. Sitzhilfen kommen sehr viel direkter beim Pferd an, was sich vor allem beim Reiten von Seitengängen bewährt. Das Untertreten oder auch das Übertreten der Hinterhand wird für den Reiter deutlicher spürbar. Ein weiterer Pluspunkt dieser Satteltechnologie ist, dass er Reitern mit (zu) steifer Hüfte hilft, weicher zu werden und die Bewegung des Pferdes zu zulassen. Die standardmässig angebrachten Pauschen sind so gehalten, dass sie bei Bedarf zwar Halt geben (z.B. beim Bergabreiten), den Reiter aber nicht in eine Position zwängen. Wie bei jedem Stübben Sattel, können die Pauschen aber auch wunschgemäss grösser oder kleiner angefertigt werden. Auch weitere persönliche Anpassungen auf Pferd und Reiter können individuell gefertigt werden, so Xaver Odermatt von Stübben Schweiz.

 

"Alle drei Pferde liefen sehr entspannt unter diesem Sattel und wölbten gut die Rücken auf was mir zeigt, dass die geteilte Sitzfläche durchaus als angenehm für das Pferd zu bezeichnen ist." Isa Borer

 

Kein Produkt ist perfekt und kein Sattel ist uneingeschränkt für jedes Pferd-Reiterpaar geeignet. So hat es im Verlauf der Testritte das eine oder andere Pferd gegeben, welches mit den direkteren und wohl auch intensiveren Sitzhilfen nicht so gut klar kam. Bei im Rücken sehr empfindlichen Pferden kann die Satteltechnologie zumindest zu Beginn ungewohnt sein. Es war leider nicht möglich, den Sattel bei diesen Pferden über einen längeren Zeitraum zu testen. Daher kann hier auch keine Aussage darüber gemacht werden, ob sie sich an den Sattel gewöhnt hätten. Eine Testreiterin hatte Probleme mit der Steigbügelaufhängung bzw. mit deren Platzierung. Gemäss der Testreiterin hatte sie schon immer Probleme mit der Steigbügelaufhängung von Stübben Sätteln. Ihr schwaches rechtes Bein verschiebt sich in den schnelleren Gangarten nach vorne, was nicht nur unangenehm ist, sondern auch das Becken versteift und damit die Einwirkung auf das Pferd verloren geht. Da wäre sicher die Komponente der verstellbaren Sturzfeder von Vorteil gewesen.

 

"Weil ich die Philosophie hinter dem Sattel gut finde und ihn gerne nutzen würde habe ich mein Bein- Problem anlässlich meines Besuches bei Benny Lindal in Island diesen Sommer angesprochen. Er wusste von diesem Problem und sagte, dass er mit Stübben daran arbeite. Unser Testsattel sei noch nicht das fertige Modell und ich solle doch unbedingt den finalen Typ nochmals ausprobieren. Das werde ich sehr gerne tun und warte nun wieder gespannt bis es soweit ist." Isa Borer

 

Wie jeder Stübben Sattel wird auch der Portos Freedom vor Ort dem jeweiligen Pferd durch den Fachhändler angepasst. Der uns zur Verfügung gestellte Testsattel hat überraschenderweise im Grossen und Ganzen allen Testpferden recht gut gepasst. Für einen dauerhaften Gebrauch ist aber selbstverständlich ein angepasster Sattel zu empfehlen. Der uns zur Verfügung gestellte Testsattel war anstelle von Wollkissen mit Schaumkissen ausgestattet. Gemäss Stübben wird diese Option aus Kostengründen angeboten. Der Sattel wird damit für den Kunden ein bisschen günstiger. Diese Option ist aus unserer Sicht aber nicht empfehlenswert, da die Schaumkissen zum einen eine Standardform haben und zum anderen nicht angepasst werden können. Auf lange Sicht lohnt sich diese Ersparnis nicht.

 

Auch eine Leserin unseres IPV CH Blogs hat uns ihre ersten Eindrücke vom Portos Freedom geschildert, die wir euch nicht vorenthalten möchten: "Ich konnte bei der Anprobe mit Stübben verschiedene Modelle testen und natürlich auch den Portos Freedom. Ich habe ähnliche Beobachtungen wie die Testreiter gemacht. Mein Pferd lief sehr viel freier und lockerer. Mir hat sehr die direkte Bewegungsrückmeldung vom Pferd gefallen. Man spürt sein Pferd besser. Letztendlich habe ich mich für den Portos Freedom entschieden. Ich denke, dass dieser Sattel wirklich im Sinne des Pferdes ist und seinen Bewegungsablauf weniger behindert, was sich wahrscheinlich bei der dreidimensionalen Bewegung des Tölts besonders bezahlt macht. Unsere Bereiterin und Reitlehrerin, die zugleich Physiotherapeutin und Pferdephysiotherapeutin ist, war auch sehr angetan vom Sattel. Sie durfte auch Probereiten. Übrigens preislich finde ich den Sattel auch ok. Natürlich ist es wie mit jedem Sattel immer eine individuelle Geschichte. Was für die einen gut ist, passt für die anderen gar nicht."

 

Wir können mit sehr guten Gewissens bestätigen, dass es sich beim Stübben Portos Freedom definitiv um einen Sattel für das Pferd handelt.

 

"Nach bald fünf intensiven Monaten mit diesem Sattel bin ich mehr denn je von der Technologie des Portos Freedom überzeugt. Ich möchte wirklich gar keinen anderen Sattel mehr haben." Angi Böni


Ein herzliches Dankeschön an Xaver Odermatt von Stübben, der den Testsattel trotz des weiten Weges persönlich vorbeigebracht und mit viel Geduld erklärt hat. Ebenso möchten wir uns bei Stübben bedanken, dass sie uns einen Sattel für eine so lange Testphase zur Verfügung gestellt haben.

 

Mehr Informationen zum Sattel sind bei Stübben erhältlich. Auch die Homepage von Benni Lindal bietet ein paar zusätzliche Informationen wie auch Bildmaterial www.inharmony.is