Studie: Heu bewässern oder Bedampfen?

Der sogenannte Heustaub besteht hauptsächlich aus Bakterien, Pilzsporen und anderen Mikroorganismen. Diese Mikroorganismen sind mitverantwortlich für Koliken und Husten. Der Gehalt von wasserlöslichen Kohlenhydraten im Heu ist einer der Hauptverursacher von Stoffwechselerkrankungen. Heu wird aus diesen Gründen vor dem Verfüttern häufig in Wasser eingeweicht - doch ist das wirklich sinnvoll?

Britische Wissenschaftler haben im Auftrag des "Waltham Centre for Pet Nutrition" in einer Studie die Auswirkungen von verschiedenen Heubewässerungs- und Bedampfungstechniken im Hinblick auf die mikrobiale Konzentration durchgeführt. Die Studie wurde im November 2014 veröffentlicht. Hier sei kurz darauf hingewiesen, dass das Wässern von Heu mit Giesskanne oder Schlauch überhaupt keine Wirkung in Bezug auf Bakterien, Pilzsporen oder den Gehalt an Kohlenhydraten hat. Mit Heu bewässern ist immer das stundenlange Einweichen (9 bis 16 Stunden) von Heu gemeint.

 

Grundsätzlich halten die Wissenschaftler fest, dass die Nährstoffqualität von Gras (und später Heu) in erster Linie durch die Wachstumsphase, in der sich das Gras bei der Ernte befindet sowie durch die Mischung der verschiedenen Gräser und Krautpflanzen beeinflusst wird. Die Nährstoffqualität, insbesondere der Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten (WlK) ist stark von den Wetterbedingungen bei der Ernte abhängig, während der Proteingehalt (Eiweiss) mehr durch das physiologische Alter der Gräser und den Bodennährstoffzustand beeinflusst wird. Weithin bekannt ist, dass die wasserlöslichen Kohlenhydrate zu grossen Teilen verantwortlich sind für die Stoffwechselkrankheiten EMS, PSSM, Ekzeme und Hufrehe [1]. Oft wird dabei vergessen, dass sich der zu hohe WlK Gehalt nicht nur im frischen Gras, sondern eben auch im Heu wieder findet. Gerade das speziell für die extensive Milchwirtschaft gezüchtete Deutsche Weidelgras, eine Hoch-Zucker-Sorte, kann bis zu 30% wasserlösliche Kohlenhydrate - also Zucker - in der Trockenmasse enthalten [2].

 

Viele Pferdebesitzer versuchen den WlK Gehalt von Heu durch stundenlanges Einweichen in Wasser zu senken und von Mikroorganismen zu befreien. Eine Studie von Longland und seinen Kollegen zeigte jedoch, dass die Wirksamkeit dieses Verfahrens erheblich variiert und von grosser Unsicherheit begleitet wird. Der WlK Gehalt konnte nach 16 Stunden in 16 Grad kaltem Wasser mit einer repräsentativen Anzahl an Wiederholungen zwischen 9% und 54% reduziert werden. Es gab keine weiteren Korrelationen zwischen dem Ergebnis und der Grasarten oder dem ursprünglichen WlK Gehalt. Hingegen konnten die wasserlöslichen Kohlenhydrate nach 40 Minuten Bedampfen im Haygain 600 konstant um mind. 34% gesenkt werden. Weder das Bewässern noch das Bedampfen haben Auswirkungen auf den Gehalt an Proteinen und Mineralien ergeben [1].

 

Hingegen berichten die Studien von einer durch das Einweichen verursachten Erhöhung des Bakteriengehaltes im Heu. Die Bakterienkonzentration kann damit sogar den Maximalwert von 20 µg/g übersteigen. Die Aufnahme des Heus wird durch Aufnahme von beträchtlichen Mengen an Lipopolysaccharide begleitet, was eine potenziell unerwünscht starke Immunantwort bei Pferden hervorrufen kann [1;3]. Das Bedampfen des Heus hingegen führte zu einer Reduktion von mikrobiologischen Verunreinigungen (Bakterien) von sagenhaften 93% bis 99%.

 

Durch die deutliche Senkung des WlK Gehaltes, würde das Heu gemäss Studie weniger "süss" schmecken. Die geringe Erhöhung des Wassergehalts und die Weichheit des Heus, gepaart mit ansprechendem Aroma kann die Pferde jedoch dazu verleiten, gedämpftes Heu der saureren Heulage vorzuziehen.

 

Quellen:

[1] The effect of five different wetting treatments on the nutrient content and microbial concentration in hay for horses; Moore-Colyer MJS, Lumbis K, Longland A, Harris P; November 26, 2014; © 2014 Moore-Colyer et al.; PLoS ONE

[2] Greef et al., 2005 in: Untersuchungen auf wasserlösliche Kohlenhydrate, Ertragsleistung und Inhaltsstoffe bei Futtergräsern zur Verbesserung der Verdaulichkeit; Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen; vorgelegt von Walid Soufan; Göttingen, Juli 2008

[3] The effect of three different treatments on the respirable particle content, total viable count and mould concentrations in hay for horses. In: Forages and grazing in horse nutrition. EAAP publication No.132. Ed.Saastamoinen M, Fradinho MJ, Santos AS and Miraglia N Pp101–107.


Übersetzungen aus dem Englischen von Angi Böni.